Zur Position des Künstlers Bernhard Vogel

Der Künstler Bernhard Vogel und seine Werkgruppen

Der Künstler Bernhard Vogel wird Mitte der 80er Jahre für seine Aquarelle bekannt. Nach wie vor ist die Aquarellmalerei eine der wichtigsten Techniken für den Künstler. Hierbei genießt auch die Freiluftmalerei einen hohen Stellenwert.

Leinwandarbeiten sind ein ebenso wichtiger Teil des künstlerischen Gesamtwerks. Neben Acryl spielt Mixed Media für Bernhard Vogel dabei eine große Rolle. Es eröffnen sich neue Möglichkeiten im Umgang mit den Arbeiten. Hochwertige Radierungen in geringer Stückzahl ergänzen das Oeuvre.

„Das fasziniert mich: Das Dazugeben und das Wegnehmen.“

Der Künstler Bernhard Vogel im Interview am 3. April 2020

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„In meinem Leben ist das höchste Glück, wenn der schöpferische Prozess einsetzt.“

Der Künstler Bernhard Vogel im Interview am 3. April 2020

Vertreten in Museen

Bernhard Vogel ist als Künstler unter anderem in folgenden Museen und Sammlungen vertreten:

Albertina Wien, Rudolf Leopold, Siemens Österreich und Deutschland, British Gas, The Abbey National Building Society, The Courtauld Institute, The Permanent Collection of the Works of Art at the House of Commons, alle London, Staatliche graphische Sammlung München

sowie: Museum der Moderne Rupertinum Salzburg, Salzburg Museum, Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien, Leopold Museum Wien, Belvedere Wien, Dommuseum Wien, Wien Museum, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck, Stadtmuseum Innsbruck, Museum der Stadt Lienz, Oberösterreichische Landesgalerie Linz, Stadtmuseum Nordico Linz, Universalmuseum Joanneum Graz, Stadtmuseum Graz, Kunsthistorisches Museum Benediktinerstift Admont, Burgenländisches Landesmuseum Eisenstadt, Vorarlberger Landesmuseum Bregenz, Museum Moderner Kunst Kaernten, Stadtmuseum München, Staatliche Graphische Sammlung München, Leopold Hösch Museum Düren, Kunsthalle St.-Annen-Museum Lübeck, Wilhelm Hack Museum Ludwigshafen, Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg, Bomann Museum Celle, Stadtmuseum Münster Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück, Museum Greiz, Stadtmuseum Hoyerswerda, Städtische Kunstsammlung Mainz, Museum Kunst der Westküste Alkersum/Föhr, Bundesministerium für Unterricht und Kunst, Landesregierung Salzburg, Stadt Salzburg, Stadt Wels, Stadt Villach, Burgenländische Landesregierung, AKH Wien, Wüstenrot Salzburg, Salzburger Stadtwerke, Universität Innsbruck, TU Wien, Sammlung Prof. Graninger, Sammlung Haspa Hamburg, Sammlung Hannoversche Versicherung, BASF Schwarzheide, EWE Oldenburg, Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, Berlin Deutscher Beamtenbund-Kunstarchiv, Berlin Biogena Kunstforum

Biographie von Bernhard Vogel

Bernhard Vogel wird am 8. Januar 1961 in Salzburg geboren. Er besteht die Matura 1979 am Humanistischen Gymnasium. Seine kaufmännische Ausbildung schließt er zwei Jahre später an der Salzburger Handelsakademie ab.

Bernhard Vogel und Irma Rafaela Toledo

Bernhard Vogel ist 22 Jahre alt, als er Aquarellseminare bei Irma Rafaela Toledo besucht.

Irma Rafaela Toledo, die am 23. August 1910 in Laufen an der Salzach als Irma Friedmann geboren wurde, war eine bayerische Jüdin mit tschechischen Wurzeln. Ab 1944 muss sie sich mit ihren Kindern in einer Hütte auf dem Schlenken (Rengerberg) verstecken. In dieser Bergeinsamkeit entstehen 1945 ihre ersten Aquarelle. Als sie zu malen beginnt, legt sie sich den Künstlernamen Toledo zu – nach dem Grillparzerstück „Die Jüdin von Toledo“. 1952 findet die Künstlerin Aufnahme in die legendäre „Salzburger Gruppe“. Der Sammler Wolfgang Gurlitt wird auf Toledo aufmerksam und organisiert 1953 ihre erste bedeutende Einzelausstellung in der Neuen Galerie der Stadt Linz. Anders als Bernhard Vogel hat Toledo nie unmittelbar vor der Natur gemalt. Stattdessen richtete sie ihre Aufmerksamkeit verstärkt auf die Innenschau. Mit den Jahren motivierten sie geistig-religiöse Beweggründe immer mehr. Nach dem Tod ihres Mannes 1983 konzentriert sich Toledo vollständig auf das Aquarell. Erst gegen Ende ihre Schaffens beschäftigt sie sich auch mit Collagen aus präparierten Papieren. Irma Toledo stirbt am 7. Januar 2002 in Salzburg.

Vgl.: Nikolaus Schaffer: Irma Rafaela Toledo (1910–2002). Der Zyklus „Genesis“. Katalog zur Sonderausstellung des Salzburger Museums Carolino Augusteum 25. Oktober 2002 bis 12. Jänner 2003. Salzburg 2002.

Bernhard Vogel und Anton Lehmden

1985 besucht Bernhard Vogel die Klasse für Malerei an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg. Der Leiter der Klasse ist Anton Lehmden.

Anton Lehmden wird am 2. Januar 1929 in Neutra in der Slowakei geboren. 1945 geht er zum Studium an der Akademie der bildenden Künste nach Wien. Albert Paris Gütersloh und Robin Christian Andersen zählen zu seinen Lehrern. Erste Ausstellungen finden in den Jahren 1948 und 1949 im österreichischen Art-Club in Wien und in Turin statt. Lehmden lässt sich von Landschaften und der Natur inspirieren. Später zusätzlich von der Architektur, die er auf seinen Reisen kennenlernt. Seine Kunst wird aber auch durch die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs geprägt. Zusammen mit Rudolf Hausner und seinen Studienkollegen Ernst Fuchs, Wolfgang Hutter und Arik Brauer zählt Anton Lehmden zu den Begründern und Hauptvertretern der Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Von 1971 bis 1997 ist Anton Lehmden Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und leitet die Meisterklasse für Malerei. Von 1966 bis zu seinem Tod am 7. August 2018 lebt und arbeitet der Künstler auf dem burgenländischen Schloss Deutschkreutz.

Bernhard Vogel als freischaffender Künstler

Seit 1987 ist Bernhard Vogel als freischaffender Künstler tätig. Er beginnt als Aquarellist auszustellen und wird schon 1988 in das Galerieprogramm professioneller Privatgalerien (u.a. Galerie Weihergut, Galerie Prisma) aufgenommen. Seine Ausstellungstätigkeit in Deutschland beginnt 1989, als er einen Exklusivvertrag mit der Born Fine Art Galerie Köln schließt. Schon ein Jahr darauf startet Bernhard Vogels regelmäßige Ausstellungstätigkeit in Großbritannien. 1991 erhält er ein Stipendium als Stadtmaler in Leverkusen von der Bayer AG.

Malreisen, Buchverlag und eigenes Malatelier

Bernhard Vogel gründet 1994 eine GmbH für die Organisation von Malreisen. Diese Reisen veranstaltet der Künstler exklusiv für Aquarellisten und führen unter anderem nach Bali, Italien, Irland, New York, Paris, London und Istanbul. Im gleichen Jahr baut der Künstler Bernhard Vogel einen Buchverlag auf. Seitdem werden regelmäßig Bücher, DVDs und Kataloge veröffentlicht. 1999 eröffnet Bernhard Vogel sein eigenes Malatelier in Salzburg.

Seit 2002 übt der Künstler eine jährliche Dozententätigkeit an der Reichenhaller Kunstakademie aus.

Bernhard Vogel im Interview

Die Galerie Trapp (GT) und der Künstler Bernhard Vogel (BV) am 3. April 2020

  • GT Warum sind Sie Künstler geworden?

BV Weil es zur richtigen Zeit am richtigen Ort auch genau das Richtige war, wo ich gespürt habe, dass ich das Richtige mache. Das war die Zeit, Ende der 80er Jahre, als der Aquarell-Boom in Österreich ausgebrochen ist. Der hat dann ganz Europa infiziert. Und da war eine unglaubliche Begeisterung zu spüren. Ausgelöst von Kurt Moldovan in den 70er Jahren, der zum ersten mal das Aquarell anders verwendet hat als sonst üblich. Nämlich als freie Malerei. Da war so eine Initialzündung zu spüren und das ist dann auf sehr viele Leute übergesprungen, dieser Funke, diese Begeisterung, also aktiv und passiv. Diese Technik hat mich dann so begeistert, dass ich gemerkt habe, das ist meine Leidenschaft und das sind einfach meine Gene. Und da habe ich eben angefangen. Das ist gleich so erfolgreich gestartet, dass ich gewusst habe, entweder mache ich das zu 100 Prozent oder ich lasse es sein. Und ich habe dann versucht das auch zu testen, ob das künstlerisch wertvoll ist. Wenn man selbst befangen ist, kann man das gar nicht beurteilen. Ich wollte das testen, indem ich mich wichtigen Galerien in Österreich gestellt habe. Und die haben mich dann, obwohl ich völlig unbekannt war, in ihr Programm aufgenommen. Und das ist ja etwas sehr ereignisvolles und sehr schwieriges. Wenn eine Galerie dich aufnimmt, dann glaubt sie auch an deinen Erfolg. Und das war für mich die Referenz. Da gab es drei Galerien, die mich in Österreich aufgenommen haben und das war für mich dann der Startschuss, Künstler zu werden. Also das auch beruflich zu machen. Ich habe mich dann einer Jury in Wien gestellt, dem Bundesministerium für Kunst. Wenn man nicht die Akademie besucht hat, und ich habe ja nicht studiert, muss man sich stellen, um als Künstler anerkannt zu werden und den Beruf ausüben zu dürfen. Da geht es ja auch um die entsprechende Sozialversicherung und um den reduzierten Mehrwertsteuersatz. Das waren die Entscheidungen.

  • GT Und noch früher: Gab es da Kunstwerke, die sie besonders beeindruckt haben, wo sie dann eigentlich erst auf die Idee gekommen sind, das auch machen zu wollen? Oder war es mehr ein inneres Empfinden, dem sie Ausdruck verschaffen wollten?

BV Das war schon ein Trend. Das war die Zeit, wo auch die Graphik sehr stark im kommen war – also Arbeiten auf Papier. Das war nach dieser Zeit der Ölmalerei und sehr düsteren dunklen Malerei. Da ist dann ein Trend entstanden. Dem Trend kann sich interessanterweise niemand entziehen. Das ist auch weltweit festzustellen. Wenn der Trend da ist, dann werden alle Augen auf ihn gerichtet. Und helle Arbeiten mit Wasser auf Papier, das war etwas ganz besonderes und kostbares. Und ich habe schon künstlerisch gearbeitet – gemalt und alles Mögliche ausprobiert. Durch Zufall bin ich dann zu Irma Toledo gekommen. Die hat in Puchberg ein Semiar für Aquarell abgehalten. Damals war das etwas ganz besonderes. Heute ist das ja inflationär. Ich wurde da mitgenommen von jemandem, der meine Arbeiten kannte und das war dann die Initialzündung. Die Arbeiten der anderen Teilnehmer, die haben mich so begeistert, dass das schon eines der wichtigsten Schlüsselerlebnisse war.

  • GT Würden sie meinen, Sie sind im Laufe der Jahre besser geworden oder nur anders?
Lesen Sie hier das vollständige Interview!

BV Besser oder schlechter? Das ist einfach eine Entwicklung. Diese Seelenstruktur, die man abbildet als Künstler, die kannst du nicht lernen, die hast du in dir. Das ist etwas, was du dir nicht explizit beibringen kannst, sondern eine reine implizierte Fähigkeit, für die man gar nichts kann. Und diese Struktur kommt ja immer wieder vor. Es ist egal, welche Technik man verwendet. Und der Trend ändert sich ja auch und so änderst du dich auch. Wichtig ist, dass du dich änderst. Weil das Leben ändert sich, also musst du dich auch ändern. Das ist ein ganz natürlicher Prozess. Außer du machst den Fehler, dass du ihn künstlich aufhältst. Dann wiederholst du nur mehr das, was erfolgreich war und das ist eigentlich nicht gut. Die künstlerische Aussage wird immer weniger wert dadurch, weil du künstlerisch immer etwas neues machen musst.

  • GT Dann vielleicht eine andere Frage, also nicht was gute Kunst ausmacht, sondern was macht man eigentlich, wenn man Kunst macht? Was unterscheidet das ganze vom Kunsthandwerk?

BV Ja eben, das hab ich ja gerade angesprochen. Dass man etwas macht, was man nicht kann. Aas man kann, das ist Kunsthandwerk. Eine Wiederholung von etwas, was man kann, was Erfolg hat. Man muss als Künstler eigentlich Arbeiten immer wieder mit dem Bewusstsein machen, dass du nicht weißt, was passiert oder wie das Bild zum Schluss aussieht. Das heißt, man muss immer wieder Risiken eingehen und immer wieder etwas Neues probieren und auch der Entwicklung keine Schranken vorschieben. Immer wieder etwas Neues wagen. Das ist natürlich schwierig, je mehr man schon gearbeitet hat. Aber das ist was ganz Wichtiges. Man malt eigentlich wie ein Anfänger, mit dieser Unbedarftheit und mit dieser unglaublichen Neugierde darauf, was daraus wird. Natürlich spricht da die Erfahrung rein, das ist ja logisch. Aber das muss im Unterbewusstsein passieren und das wird im Hintergrund arbeiten. Das Malen sollte frei von jeder Erwartungshaltung und egoistischer Tendenzen passieren.

  • GT Ist es dann für Sie eher Arbeit oder durchaus auch Spaß? Also das Kunstmachen muss ja in irgendeiner Art und Weise auch glücklich machen, sonst würde man es vermutlich nicht machen.

BV Ja sicher, klar. Karl Valentin hat gesagt „Kunst ist was schönes, aber es macht viel arbeit.“ Und das ist richtig, was er sagt. Du musst dich mit einer gewissen Disziplin ins Atelier stecken und anfangen. Wenn du dann angefangen hast, dann macht es schon Spaß. Und vor allem dann, wenn dieser schöpferische Prozess gelingt. Das ist das höchste Glück, was man überhaupt erfahren darf. Zumindest für mich. In meinem Leben ist das höchste Glück, wenn der schöpferische Prozess einsetzt. Wenn du losgelöst vom Denken einfach loslassen kannst und etwas passiert, was du nicht erwartet hast. Ein gewisser Flow ist das. Man kann ja nicht auf einmal sagen, jetzt lege ich den Schalter um und dann kommt das. Sondern man muss zuerst arbeiten, damit das dann passiert. Somit ist Kunst Arbeit und auch Spaß gleichzeitig.

  • GT Das ist wahrscheinlich das Schönste, was man sich vorstellen kann, wenn die Arbeit auch noch Spaß macht.

BV Natürlich! Aber manchmal ist es natürlich so, dass man wartet und wartet und dieser Flow kommt nicht. Und von dem hängt es ab, ob ein Bild gut ist oder nicht. Wenn du ein Talent hast, diesen schöpferischen Prozess auch nur ein paar Minuten auszuüben, dann muss er trotzdem kommen. Und wenn er nicht kommt, dann ist das Bild auch nicht gut. Dann musst du es weglegen und dann dauert es drei Tage und dann willst du es wegwerfen. In dem Moment, wo du es wegwerfen willst, passiert das vielleicht dann. Und dann ist es das beste Bild deines Lebens. Mir passiert das immer wieder, dass ich, wenn ich verzweifelt bin und einfach unzufrieden. Dann verabschiede ich mich von dem Bild und von dem Vorhaben, dass es ein gutes Bild wird. In dem Moment lässt so viel los, dass dann genau das passiert. Manchmal sind dann diese Bilder die Schlüsselbilder meines Lebens.

  • GT Also wenn Sie vor einer Arbeit stehen und nicht wissen, wie Sie weiter damit umgehen sollen, hilft es Ihnen, dass Sie eigentlich damit abschließen?

BV Ja, weil man los lässt. Der künstlerische Prozess ist klar definiert mit einem Satz: Es ist die höchste Anspannung, die man haben kann als Mensch und gleichzeitig das absolute Loslassen. Beides zusammen im selben Moment. Und das kannst du aber nicht mit irgendeiner Übung zusammen führen, sondern es geht mit einem kreativen Prozess. Diese Gegensätze, diese Ambivalenz ist vergleichbar mit Feuer und Wasser, wie das Gute und das Böse, das Weibliche und das Männliche, das Traurige und das Glückliche. Wenn das zusammengeführt werden kann in einem Bild, dann ist es Kunst. Genauso beim künstlerischen Prozess: Wenn Anspannung mit gleichzeitigem Loslassen in höchster Form praktiziert und erlebt wird, dann ist es gut. Aber das ist schwer, es gibt kein Rezept dafür. Hilfsmittel gibt es schon – also Zerstören zum Beispiel. Wenn mir ein Bild nicht gefällt, dann zerstöre ich es. Dann zerstöre ich es, indem ich Farbe drauf schütte oder reiße oder wegspritze. Einfach aggressiv auf das Bild losgehen, wie wenn du es zerstören würdest. Und da passieren oft die wundersamsten Sachen.

  • GT Aber dann können Sie auch wieder Frieden mit dem Kunstwerk schließen?

BV Ja klar, weil ich baue ja dann wieder auf. Zerstören bedeutet nichts anderes als Wiederaufbau. Aber aus diesen Ruinen heraus. Du fängst ja kein neues Bild an, sondern du fängst mit den Ruinen an etwas Neues aufzubauen. So kann man dieses Loslassen doch wieder vielleicht mehr wieder einbringen in den Prozess. Wenn du das nicht hast, das Loslassen, dann ist es nichts. Dann machst du nach Schema F oder nach einer Formel irgendetwas, was zwar gut ausschaut, aber es hat keine künstlerische Seele. Da ist erfolgreich sein nicht möglich. Weil jedes Bild dann gleich aussieht.

  • GT Wie ist denn der Ablauf, wenn die Kunstwerke entstehen? Haben Sie die Motive schon im Kopf, wenn Sie beginnen oder entwickelt sich das erst?

BV Die Motive sind natürlich klar, die entstehen durch das, was ich im Alltag, in meinem Leben sehe. Daraus kann ich meine Motive ziehen. Durch das Sehen, Erleben, das Reisen und Entdecken finde ich Motive. Diese Motive sind natürlich der Ausgangspunkt. Du brauchst irgendeinen Ausgangspunkt. Wenn du sinnlos zu malen anfängst, dann kann man das auch machen, aber das ist nicht meine Arbeitsweise. Ich suche ein Motiv und aus diesem Motiv, das hauptsächlich ästhetische Grundprinzipien hat – diese Ästhetik begeistert mich ja, sonst würde ich nicht anfangen – entwickelt sich das. Begeisterung muss natürlich da sein, um überhaupt anzufangen und ein gewisses Feuer zu entfachen. Und wenn dieses Feuer da ist, dann ist dieses Motiv am Anfang anwesend. Und dann entwickelt es sich. In welche Richtung weiß ich nicht. Ich freue mich immer über ein überraschendes Ergebnis.

  • GT Hat sich diese Vorgehensweise, dieser Ablauf, im Laufe der Jahre geändert? Oder hat das immer schon so stattgefunden?

BV Das hat immer schon so stattgefunden. Das ist immer das gleiche, das wird nie anders werden. Weil das ist das Grundprinzip der künstlerischen Tätigkeit überhaupt. Wenn du das nicht in dir hast, dann kannst du es nicht lernen. Das ist impliziert vorhanden, das kannst du nicht studieren. Es ist immer das gleiche, das wird nie aufhören. Allerdings natürlich sehr unterschiedlich; das Ergebnis ist ein anderes. Es gibt Schlüsselerlebnisse. Manchmal geht es um die Verdichtung, manchmal geht es um das Großflächige, um das Chaotische, um das Expressive oder um die Zeichnung, die Linie, die Fläche. Das sind so Schlüsselerlebnisse, die einen bei der Stange halten, was die Begeisterung anbelangt. Denn die Faszination ist ja auch immer wichtig, damit du nicht so dahin malst wie ein Kunsthandwerker, wenn du etwas produzierst. Du musst ja das Bild deines Lebens machen. Das, was du gerade machst, in dem Moment ist es das Bild deines Lebens. Das sollte immer so sein. Und wenn du fertig bist, dann ist das nächste das Bild deines Lebens. Dann bist du schon wieder unzufrieden, dann weißt du genau, das ist wieder nicht genug. Also du wirst es sozusagen nie erreichen.

  • GT Also gibt es auch die Unsicherheit, wenn die Werke eigentlich fertig sind – das Gefühl davon, dass das Werk ist noch nicht ganz das Perfekte ist?

BV Das Perfekte ist ja das Unperfekte. Wenn es perfekt ist, ist ja nicht mehr perfekt. Der Künstler ist immer nur am Weg, nie am Ziel angelangt. Das ist ein Blödsinn, wenn man glaubt, man kann das studieren und dann kann man anfangen zu Malen. Das Gegenteil ist der Fall. Man ist immer am Weg und immer unzufrieden. Sozusagen zufrieden in der Unzufriedenheit. Oder das Perfekte ist das Unperfekte. Darum sagt man auch, der Künstler ist ein Leidender.

  • GT Sie haben mit Aquarell angefangen. Was sind die Techniken, auf die sie am ehesten neben dem Aquarell noch zurückgreifen?

BV Was sehr ähnlich ist, ist eben das auf Leinwand, die Mixed Media Arbeiten und Acryl Arbeiten. Weil ich da sehr viel experimentieren kann. Das fasziniert mich: Das Dazugeben und das Wegnehmen. Wegreißen, indem man einfach Schichten wegreißt. Oder nachdem das sehr viel mit dem Material zu tun hat, kann man auch irgendwelche Papierschichten wieder aufreißen oder mit Seidenpapier hinterlegte Farbe kann man wegreißen und es entsteht ein toller Prozess des Zunehmens und Weggebens. Das ist dann so eine Art gegenseitiges Aufschaukeln von Strukturen, die auf einen faszinierenden Weg führen, der eigentlich mit Rhythmus zu tun hat. Mit einem faszinierenden Wechselspiel von Flächen. Das Motiv ist dann schon noch da in Form der Komposition, aber der Rhythmus ist dann das Entscheidende, was innerhalb dieser Flächen passiert. Und es hat natürlich Wiedererkennungswert, wenn irgendeine Stadt abgebildet wird. Was aber mich fasziniert und mir wichtig ist, ist die innere Struktur, ist das Innenleben, was dahinter vielleicht verborgen ist. Dass man das ahnt, und es teilweise auch sichtbar macht. Und dieses Sichtbarmachen von  Flächen und Strukturen, das ergibt dann einen interessanten Rhythmus, der einen berührt. Sonst ist das Bild nichts wert, wenn es dich nicht berührt. Dann ist es eigentlich keine Kunst, sondern ein schönes Abbild von einer Stimmung. Dann ist es nett und schön und man kann die Technik bewundern, aber es fehlt die künstlerische Seele. Das ist für mich der Anspruch.

  • GT Benutzen Sie dann bestimmte Techniken für bestimmte Motive oder ist das unabhängig davon?

BV Das ist unabhängig davon. Ich war in New York im Herbst, da habe ich nur aquarelliert. Daheim mache ich das Ganze dann auf Leinwand. Wie man es macht, ist egal. Was man macht, was entsteht, das ist der Anspruch, dass man da kritisches, künstlerisches Urteilsvermögen hat. Das ist etwas, was man erlernen kann. Das Urteilsvermögen, was ist überhaupt Kunst. Je mehr man Bilder anschaut, umso mehr ist man dann auch in der Lage das beurteilen zu können. Nicht nur der äußere Schein. Wenn das Bild zwei Millionen Euro kostet, dann kann man das anschauen, dann weiß man, dass das gut ist. Aber was ist mit Arbeiten, die einfach unscheinbar irgendwo entstehen. Das Urteilvermögen zu haben, was ist gut und was nicht. Bei eigenen Arbeiten diese Befangenheit zu überwinden. Ich mache auch Kurse und Seminare. Mein Hauptanliegen ist, dass die Teilnehmer erkennen, wenn es gut ist, was sie machen. Die meisten erkennen es nicht, wenn es gut ist. Wenn es gut ist, wird es gleich weggeschmissen und verkannt. Das ist das Schwierige und das ist das, was mir sehr viel Mühe macht: Zu erklären, warum das gut ist und dass sie es auch verstehen. Denn wenn es gut ist, dann hat es mit ihnen selbst nichts zu tun und auch nicht mit ihrer Erfahrung, es ist völlig ungewohnt und überraschend. Und zu erkennen, dass dieses Ergebnis oder Zwischenergebnis künstlerische Qualität hat, das ist eigentlich das Hauptproblem. Es gibt Leute, die über Kunst reden, aber dieses Gespür nicht haben, was künstlerische Qualität wirklich ist. Wenn man sich nicht danach richtet, ob der Künstler berühmt ist oder nicht, oder schon bestimmte Sachen gemacht hat, sondern wenn man von jemandem unscheinbaren, unbekannten ein Ergebnis vorliegen hat, dann zu erkennen, ob das gut ist oder nicht. Das können nur ganz wenige.

  • GT Im Bezug auf die Seminare: Was ist der Ansporn für Sie, diese Seminare zu machen?

BV Meine Philosophie weiterzugeben. Dass die Leute keinen falschen Weg einschlagen. Dass die Leute nicht irgendeine Formel nachmachen und glauben, dass ist ihre Formel. Sondern dass sie den ehrlichen Weg gehen. Ich habe ja das Glück gehabt, den richtigen Weg gehen zu können ohne Beeinflussung – im negativen Sinn natürlich. Beeinflussung gibt es immer, das ist klar. Aber dass man sich selbst nach seinem Inneren richtet und nicht explizit eine Formel aufoktroyiert bekommt, die dann eigentlich zum Misserfolg führt. Sondern diese Philosophie verständlich zu machen, dass oft das Unscheinbare und das Verkannte, oder das Vergessene und nicht beachtete genau das ist, worauf es ankommt. Das zu erklären, das macht mir Spaß. Weil ich lerne dadurch auch selber sehr viel. Das ist für mich eine Auffrischung meiner eigenen Philosophie.

  • GT Also durchaus auch etwas für Sie – nicht nur ein Geben, sondern auch ein Zurückbekommen?

BV Ja, sonst würde das nicht funktionieren. Weil es muss mir ja Spaß machen. So was kann man nur machen mit totaler Begeisterung. Und für mich ist das auch Therapie. Wenn man das auch in Worte fasst, was einen bewegt, dann ist das etwas, was einem selbst wahnsinnig gut tut. Also man muss sich immer wieder auch neu erden. Man kann auch oft einen falschen Weg gehen, ohne dass man es weiß. Und so ist das für mich so eine Art wieder neue Einstellung, um sich bewusst zu werden, worauf es ankommt. Künstlerische Tätigkeit ist wie ein Organismus, der sich bewegt. Er wächst, geht auch zurück, bewegt sich in verschiedene Richtungen, nach vorne und zurück, manchmal explodiert er. Man hat ihn nie im Griff. Deswegen bin ich auch Künstler geworden: Man muss als Künstler ein Urvertrauen haben. Man kann machen was man will, man muss das Vertrauen haben, dass es zum Schluss immer etwas Gutes ist.

  • GT An das Gute anknüpfend, was ist ihre Meinung, was die Kunst der Gesellschaft, dem Publikum bringt?

BV Ein Vergnügen einfach, also das ist eine Lebensbereichung. Wenn man ein Bild hat, das man jeden Tag anschaut, dann ist das ein Dialog, dann ist das was Wundersames. So wie eine Musik, die man anhört. Ein Bild ist ja noch viel mehr. Eine Musik ist ja etwas sehr flüchtiges, also vor allem die moderne Musik, die wechselt sich ja permanent ab. Man hört ein Lied zehn mal und das ist dann abgehört. Da findet ein stetiger Wechsel statt. Da ist Musik für mich bisschen flüchtiger. Ein Bild ist ein dauernder Dialog. Wenn ein Bild strukturiert ist und von einer gewissen Tiefe beseelt ist, dann kannst du immer wieder etwas neues rausnehmen. Wie hat mal ein Sammler gesagt: Ein gutes Bild kannst du immer anschauen. Und ein schlechtes Bild oder ein mittelmäßiges, das hast du zwei Wochen hängen und dann kannst du es nicht mehr anschauen. Das hat auch schon wieder damit zu tun, mit der Fähigkeit, Kunst zu entdecken und zu sehen und künstlerische Qualität zu erkennen. Das ist etwas, was nur wenige Leute haben. Viele brauchen dann Beratung, das ist auch wichtig, deswegen gibt es ja auch Galerien. Eine Galerie deines Vertrauens, die Bilder die diese Galerie hat, die sind schon einer Prüfung unterzogen worden. Da ist kein Sammelsurium von Schlecht und Gut, sondern da musst du nicht mehr aussuchen. Da hast du schon mal eine Basis. Da weiß ich, es hat eine künstlerische Qualität. Und dann ist natürlich jeder Mensch anders. Wie eine Liebesbeziehung: Es gibt gewisse Menschen, die dir gefallen, die dir sympathisch sind und andere nicht. Ebenso bei Bildern. Du baust eine Beziehung auf und du kannst den Dialog, der da jeden Tag stattfindet, aktivieren. Ich finde, das gehört zum Leben dazu, das ist eine Lebensbereicherung. Fast eine Verpflichtung. Weil, für was lebst du eigentlich? Auch für diese geistigen, philosophischen und außerirdischen Gedankenübungen, die gehören doch zum Menschen dazu. Sonst würden wir uns nur auf das Niederste konzentrieren. Die Kultur im Allgemeinen gehört dazu und die Bilder sind natürlich eine wunderbare Möglichkeit, dieser Sehnsucht nachzukommen. Sonst wäre das Leben langweilig.

  • GT Eine letzte Frage aus aktuellem Anlass: Inwiefern beeinflusst die derzeitige Situation in Österreich und der Welt, also die Virus-Pandemie, ihre künstlerische Arbeit?

BV Da möchte ich mich ehrlich gesagt widersetzen. Ich möchte nicht, dass mich das beeinflusst. Des tut mir eigentlich nicht gut. Diese Sache ist etwas, was ja nicht sehr erfreulich ist und ungewöhnlich ist. Das hat mit dem normalen Leben nichts zu tun. Ich konzentriere mich lieber auf die ganz normalen Lebensbereiche. Bedrohung oder Krieg oder Sterben, das gehört klar zum Leben dazu und muss auch in der Kunst in irgendeiner Form drinnen sein. Das Negative muss ja im Kunstwerk vorkommen, sonst ist es kein Kunstwerk. Aber eher in symbolischer und so unterschwelliger Art, dass man es spürt. Dass man Melancholie heraushört. Vergleichbar mit der Musik: Musik ohne Melancholie ist keine gute Musik, auch wenn es noch so lustig ist. Ich meine qualitätsvolle Musik. Wenn das nicht drin ist, dann hast du nicht diese Ambivalenz. Wenn die Ambivalenz nicht drin ist, dann hast du kein gutes Bild. Diese Krise ist mir zu negativ. Da muss ich mich wieder konzentrieren. Das darf mich nicht zu negativ beeinflussen, weil dann das Gute fehlt. Ich brauche die Euphorie genauso wie das Negative oder die Gefahren des Lebens oder den Tod. Wie ein Gewitter halt. Man kann sagen, Tag und Nacht gibt es. Aber wenn es nur Nacht gibt, dann freut mich das Malen auch nicht mehr. Ich weiß jetzt nicht, wie es mich beeinflusst. Ich versuche, mich da etwas abzukapseln, wie immer. Wenn ich jetzt das Offensichtliche malen will, dann funktioniert das nicht. Malen funktioniert nur im Unterbewusstsein und nicht anders. Wenn du etwas malen willst, wenn du dir vordergründig vornimmst, es zu machen, umso mehr entfernt sich dieses Ziel von dir. Je weniger du willst, umso mehr hast du die Chance als Maler einen guten Artikel herzustellen. Das heißt, vordergründig darf man an so etwas gar nicht denken. Das zieht eher runter. Was ist da positiv dran? Ich erkenne da nichts daran. Das Positive ist eigentlich nur die Aussicht auf ein Wunder oder auf einen Ausgang dieses bedrohlichen Szenarios. Dass man sagt, ich freue mich auf das Ende. Das ist das einzige positive.

  • GT Das gilt vermutlich für die Allgemeinheit, dass man sich von dieser Krise nicht zu sehr vereinnahmen lassen darf.

BV Ich weiß gar nicht, ob es mich künstlerisch beeinflusst. Deswegen male ich jetzt nicht anders. Ich versuche, mich da eher abzukapseln, wieder in diese eigene Welt zu kommen, wo ich weg bin von irgendwelchen offensichtlichen allgemeinen Gedanken. Wenn man malt, ist man in einer anderen Welt. Da ist man weg von der irdischen Welt. Deswegen darf es mich gar nicht so beeinflussen, das ist gar nicht so gut. Thematisch schon gar nicht, weil ich bin kein politischer Maler. Es gibt Picasso, der das Bild Guernica gemalt hat und da den Krieg als Thema genommen hat und das Leid auch in Form von Gesichtern und verrenkten Körpern dargestellt hat. In einer Art und Weise, die das Grauen sichtbar macht, kombiniert mit einer unglaublichen Ästhetik. Das ist das, was das Höchste der Kunst ist, wenn man beides in extremer Form zusammen bringt. Dann ist das ein Kunstwerk der ganz besonderen Art und Weise. Aber meine Thematik hat mit dem nichts zu tun, ich bilde da nichts ab, was heutzutage irgendwie vorkommt in irgendeiner Form. Außer die Natur oder die Städte, die sich verändern. Wie ich schon gesagt habe, in der Struktur der Fläche ist etwas zu sehen, das man interpretieren kann. Aber nicht ich selbst, nur jemand anderes. Ich kann es nicht interpretieren, sonst wäre es Scharlatanerie, wenn man das macht. Das kann nur unbewusst passieren, sonst ist man kein Künstler. Ein Künstler arbeitet unbewusst, niemals bewusst. Und wenn er seine Bilder erklärt, dann ist das eh schon Humbug, dann glaube ich ihm schon nicht mehr. Das geht nicht, das ist nicht möglich, das ist zu offensichtlich und zu oberflächlich. Das hat dann nichts mit Kunst zu tun sondern mit Effekten. Es gibt schöne Sachen und man kann es als Publicity machen und ein Mordstheater veranstalten, aber nach zwei Monaten ist das vergessen und kein Mensch kümmert sich darum. Das ist nicht nachhaltig. Ich glaube, dass Nachhaltigkeit einfach das wichtigste ist. Und wenn man als Künstler arbeitet, dann muss einem das bewusst sein, dass man nur ein Zeitfenster hat, wenn man sich entscheidet, Künstler zu werden. Außer man ist sehr jung – und meistens ist man sehr jung – dann ist man sehr mutig und fast übermütig, vielleicht auch gar nicht gescheit. Wenn man aber dann älter wird, denkt man sich, eigentlich ganz schön unvernünftig. Weil man hat als Künstler eigentlich nur ein Zeitfenster. Wenn du jetzt diesen Trend erfüllst oder gerade das Richtige machst zur richtigen Zeit am richtigen Ort, dann kann das wieder vorbeigehen. Wie im Flug geht das vorbei. Auf einmal stehst du da und verkaufst nichts mehr, denn es ist keine Nachfrage mehr da und du erfüllst den Zeitgeist nicht mehr. Machst du dann sinnlos weiter und keiner will es und arbeitest gegen den Trend oder machst du weiter und entwickelst dich und hast das Glück, doch wieder ein neues Zeitfenster aufzumachen. Aber das Fenster ist halt nicht mehr so weit offen. Die Basis ist ein großes Zeitfenster, das einmal sehr erfolgreich ist und dann kommen natürlich andere Zeitfenster, die aber nicht sicher sind. Du kannst aber als Künstler sowieso nicht sicher sein. Außer du bleibst dir treu und veränderst dich laufend. Auch nicht zu angepasst, wie eine Feder im Wind. Dass du dich laufend entwickelst, nicht fremdgehst, sondern deine Sache durchziehst, aber dich beeinflussen lässt von der Zeit. Und das ist das, was Sie gemeint haben, dass dann natürlich auch etwas dazukommt, wie diese Corona-Krise oder politische Veränderungen, gesellschaftspolitische Veränderungen. Das fließt alles mit ein. Das ist ja nicht so, dass man sich davon abkapseln kann.

  • GT Man lebt ja auch als Künstler in der Regel nicht einsam auf einer Insel.

BV Genau, wie Sie sagen: unbewusst wird das übertragen, aber nicht bewusst. Das Bewusste ist nicht mein Thema. Das ist nicht meine Art zu arbeiten, sondern eher im Unbewussten. Ich lasse mich sozusagen überraschen, was passiert, ich habe diesen Plan nicht. Bei keinem Bild habe ich einen plan, sondern ich lasse es entstehen und lasse es sich entwickeln. Ein Bild ist wie ein Leben, vom Anfang bis zum Ende. Und wenn es dann fertig ist, ist es direkt traurig, weil es auch ein Begräbnis ist. Man kann ja nicht mehr weiter malen, das ist vorbei. Zwischendrin weißt du nicht, was passiert. Es ist nicht möglich, irgendetwas bewusst einzubringen; das ist meine Arbeit. Ins Chaos hineinzuschlittern – das kann man schon bewusst machen. Wenn du dann im Chaos bist, musst du das Chaos ordnen. Aus dem Chaos wieder eine Ordnung darstellen, das ist meine Arbeitsweise.

  • GT Vielen Dank für das Gespräch.

„Ein Bild ist wie ein Leben, vom Anfang bis zum Ende.“

Der Künstler Bernhard Vogel im Interview am 3. April 2020